Das Jahr 2012 war noch sehr jung, da er zum ersten Mal Geld für eine Unterhaltungsgerätschaft ausgeben sollte, auf deren Rückseite das Logo eines angegessenen Apfels aufgedruckt war. In Hamburg gab es dafür einen eigenen Laden, den die Leute „Store“ nannten. Über der Eingangstür hing ein dicker, leuchtender Apfel. Ebenso in den Schaufenstern, an den Wänden, an der großen Glastreppe, den Tischen, den Mitarbeitern und sowieso überhaupt an allem, was er in diesem Laden erblickte.
In seinem bisherigen Leben konnte er jeden Verkäufer dem er begegnet war in jeweils eine von drei Gedankenschubladen einordnen. Schublade eins war ihm dabei die liebste. In sie gehörten jene Verkäufer, deren unaufdringliche Herzlichkeit tatsächlich real und gänzlich ungespielt war. In dieser Schublade gab es allerdings noch reichlich Platz. Ganz im Gegenteil zur zweiten Kategorie, zu der er die Verkäufer zählte, denen ihr Beruf auf den Nerv ging und die sich deshalb ein Lächeln ins Gesicht zementiert hatten. Die dritte Schublade galt allen Verkäufern, welche zwar hochgradig unmotiviert waren, dies aber auch unverblümt nach außen trugen - eine Art aufrichtiger Ehrlichkeit, der er immerhin Respekt zollte.
Im Laden mit dem Apfel über der Tür lernte er an diesem Tag einen weiteren Verkäufertypus kennen. Es handelte sich dabei um die Kategorie der uneingeschränkten Hingabe - charakterisiert durch Einheitskleidung, Omnipräsenz und den gemeinsamen Glauben an etwas Großes. Die Verkäufer aus dieser Kategorie hatten ein iPhone in der Hand und waren über Kabel am gesamten Körper mit weiteren iPads und iPods verbunden, über welche sie ferngesteuert werden konnten. Schon beim Betreten des Ladens musste er schnell feststellen, dass seine „danke-ich-schau-nur“- Attitüde hier auf Unverständnis treffen würde. Ein Verkäufer hatte sich ihm bereits per Handschlag und Kosenamen vorgestellt und strahlte, während auf dem iPhone-Hintergrundbild die Freundin leuchtete.
Einen Display-Wisch später öffnete sich eine Tür. Ein Bringknecht trat heraus, reichte ihm sein neues Lebensstilprodukt und machte dabei eine kleine Verbeugung. Ein bisschen benommen aber glücklich trat er aus dem Store hinaus auf den Jungfernstieg. Auf seinem Gesicht ein Lächeln aus Zement.



